Die Working Pacers on Social Ontologie and Subject Formation versammelt theoretische, empirische und experimentelle Beiträge zur Analyse von Subjektivierungsprozessen, sozialer Ontologie und ästhetischen Formen der Erkenntnis. Im Zentrum steht die Annahme, dass Erkenntnis nicht ausschließlich in klassischen wissenschaftlichen Formaten entsteht, sondern auch in kulturellen Praktiken, ästhetischen Ausdrucksformen und sozialen Erfahrungsräumen hervorgebracht wird. Die Reihe verfolgt einen offenen, interdisziplinären Ansatz und bewegt sich bewusst an der Schnittstelle von Sozialwissenschaft, Philosophie, Bildungsforschung und kultureller Praxis.

Dieses Working Paper reflektiert den Tod von Jürgen Habermas und Rolf Hepp als Verlust zweier unterschiedlicher Modi sozialwissenschaftlichen Denkens. Während Habermas für ein integratives Paradigma steht, das auf Verständigung, Rationalität und diskursive Anschlussfähigkeit zielt, markiert Hepp eine Denkform der Unterbrechung, die sich der Integration entzieht und die Bruchstellen symbolischer Ordnungen sichtbar macht.

  • Ausgehend von der Unterscheidung von Integration, Mitvollzug und Unterbrechung wird argumentiert, dass Kritik nicht primär im Widerspruch innerhalb bestehender Ordnungen entsteht, sondern in der Irritation jener impliziten Teilnahmeformen, die gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten stabilisieren. Widerspruch erscheint dabei häufig als integrierte Form der Kritik, während Unterbrechung die Kontingenz und Herstelltheit sozialer Ordnung offenlegt. Anhand exemplarischer Konstellationen aus der Geschichte kritischer Theorie (u. a. Foucault/Baudrillard, Sartre/Derrida, Adorno/Krahl) wird diese Spannung als strukturelles Moment sozialwissenschaftlicher Erkenntnis rekonstruiert. Der Beitrag plädiert dafür, Integration und Unterbrechung nicht als Gegensatz, sondern als notwendige Doppelbewegung kritischer Theorie zu begreifen. Ohne Integration droht Erkenntnis zu zerfallen, ohne Unterbrechung wird sie zur Ideologie. Der Text versteht sich somit nicht als abschließender Nachruf, sondern als programmatischer Aufruf zu einer machtsensiblen, irritationsfähigen Sozialwissenschaft.
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Dieses Working Paper setzt sich aus einer psychoanalytisch-machtorientierten Perspektive mit dem Phänomen True-Crime auseinander.

  • Der anhaltende Erfolg von True-Crime-Formaten verweist auf eine paradoxe kulturelle Dynamik: Die massenhafte Rezeption realer Gewalt geht mit einem gesteigerten Bedürfnis nach Sicherheit, Ordnung und moralischer Orientierung einher. Der Beitrag analysiert dieses Spannungsverhältnis aus einer machtsensiblen, subjektivationstheoretischen Perspektive. Unter Rückgriff auf Lacan, Foucault sowie Ansätze der Gouvernementalitäts- und Affekttheorie wird argumentiert, dass die Attraktivität von True Crime nicht als individuelle Abweichung (etwa im Sinne eines latenten Sadismus) zu verstehen ist, sondern als Ausdruck einer strukturell erzeugten Affektökonomie spätmoderner Gesellschaften. True Crime fungiert demnach als Dispositiv, das das Reale der Gewalt ästhetisch rahmt, soziale Ordnung durch Othering stabilisiert und zugleich Formen neoliberaler Selbstvergewisserung produziert.
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